Euro 2008 erhoeht Risiko fuer Langzeitverletzungen
Written by weblog2 on Monday, June 16th, 2008 in News.
Spieler bei der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft sind um ein Drittel (35%) mehr gefährdet, sich in der kommenden Saison eine Langzeitverletzung zuzuziehen als ihre daheim gebliebenen Teamkollegen – das geht aus einer aktuell veröffentlichten Studie von EMB, dem Experten für aktuarielle Unternehmensberatung im Bereich der Sach- und Rückversicherung, hervor.
Für die Studie wurden Fußballprofis analysiert, die innerhalb von sechs Spielzeiten für mindestens 30 Tage verletzungsbedingt auf der Bank gesessen haben. Und die Ergebnisse sind eindeutig: Die tatsächlichen Kosten für Mannschaften, die Spieler für derartige Turniere abstellen müssen, sind deutlich höher. Aufgrund der fehlenden Sommerpause sind die Profis erheblich verletzungsanfälliger. So werden in der Studie beispielsweise die zusätzlichen Behandlungskosten aufgrund der Euro 2008 für Clubs der Englischen Premier League in der kommenden Saison auf 12,5 bis 19 Millionen Euro beziffert. Mit eingerechnet in die Ergebnisse sind die Spielergehälter, die während der Verletzungspausen gezahlt werden müssen, und die nicht angefallen wären, wenn sich der Spieler ein paar Wochen geschont hätte.
Außerdem fand die Studie heraus, dass ein Feldspieler zu 33 Prozent mehr gefährdet ist, lange Verletzungspausen in Kauf nehmen zu müssen als ein Torwart, wobei junge Spieler weniger Verletzungen davontragen und schneller regenerieren. Schlüsselspieler, die – sofern gesund – die längste Zeit in Minuten spielen, erleiden mehr Verletzungen als Ergänzungsspieler; Spieler, die nach einer roten Karte zwangspausieren müssen, scheinen dafür mit 15 Prozent weniger Chancen auf Langzeitverletzungen belohnt zu werden.
Auch wenn ein Spieler die Fußball-Europameisterschaft unverletzt übersteht, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Verletzung in der kommenden Saison höher.
Der Start der Bundesligasaison stellt für Spieler typischerweise ein erhöhtes Verletzungsrisiko dar, weil sich die Mannschaften besonders intensiv vorbereiten und trockene und harte Bodenverhältnisse den Profis zusätzlich zu schaffen machen. Nationalspieler, die von internationalen Turnieren während der Sommermonate zurückkehren, sind aufgrund der besseren Fitness zu Beginn einer Saison weniger verletzungsanfällig als ihre Teamkollegen. Das Bild relativiert sich allerdings im Verlauf einer Saison, weil die daheim gebliebenen Spieler dann von der Sommerpause profitieren und damit ihr Verletzungsrisiko sinkt.
“Seit Jahren beschweren sich Mannschaften über die hohen Verletzungskosten für Nationalspieler in ihren Reihen. Unsere Studie bestätigt, dass internationale Turniere zusätzliche Kosten verursachen, weil sie Spieler von ihrer benötigten Pause abhalten”, sagt Frank Sommerfeld, Geschäftsführer von EMB. “Spieler wie Michael Ballack kommen in der Saison auf mehr als sechzig Spiele. Die hohe Anzahl an Spielen, gepaart mit dem Dauereinsatz über das gesamte Jahr, macht Top-Spieler anfälliger für ernsthafte Verletzungen als weniger prominente Fußballer. Diese Spieler kassieren nicht nur die höchsten Gehälter, sondern sind auch die entscheidenden Figuren für Teams, die um Meisterschaften oder gegen den Abstieg kämpfen.”
Die Ergebnisse dieser Studie knüpfen an einen früheren Bericht von EMB Deutschland aus dem Jahr 2003 an. Damals wurde die Verletzungsanfälligkeit von Bundesligaprofis untersucht und festgestellt, dass die Schadenhäufigkeit eines Torwarts nur etwa 40 Prozent der Anfälligkeit eines Feldspielers entspricht. Außerdem wurde herausgefunden, dass weniger wichtige Spieler mit steigendem Alter häufiger vom Mannschaftsarzt “krankgeschrieben” werden als Leistungsträger. Interessanterweise konnte damals kein Zusammenhang mit den Wetterverhältnissen gefunden werden. Allerdings deckt sich das Fazit dieser Studie mit den aktuellen Ergebnissen: Der “Wichtigkeitsfaktor” (definiert als die durchschnittliche Einsatzdauer pro Spiel) eines Fußballprofis hat großen Einfluss auf sein Verletzungsrisiko.